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Tausend Wellen fern 1 von Maly, Rebecca (eBook)

  • Erschienen: 08.07.2016
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Tausend Wellen fern 1

Irland, 1872. Als der Vater der 18-jährigen Kaylee Heagan ihre Mutter für eine Jüngere verlässt, entflammt im katholischen Dublin ein Skandal. Um der Schande zu entgehen und sich gemeinsam eine Zukunft aufzubauen, brechen die beiden ungleichen Frauen zu einer beschwerlichen und langen Seereise nach Neuseeland auf. Doch wird sich ihre Hoffnung auf ein neues Leben erfüllen?

Produktinformationen

    Größe: 970kBytes
    Herausgeber: Edel Elements
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 77
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783955308131
    Erschienen: 08.07.2016
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Tausend Wellen fern 1

KAPITEL 1

IRLAND, 1872
Dublin, Mündung des River Liffey

Der Wind drückte die schwere Rußwolke hinunter. Wie ein Leichentuch senkte sie sich auf die hellen Häuserfronten und Hafengebäude. Kleine Segler und Jollen verschwanden hinter grauen Schleiern.

Kaylee hustete und nahm ihren Hut ab, den sie extra für diese Reise ausgewählt hatte. Sie klopfte die Ascheflocken von dem hellblauen Leinenstoff und konnte dennoch nicht verhindern, dass sie dünne Streifen hinterließen. Ändern ließ sich daran nichts. Es würden sicher noch viel mehr dazukommen, wenn sie sich nicht unter Deck begab.

Sie sah sich nach einem besseren Platz um, wo sie weniger im Rauch stehen würde, doch die Menschen drängten sich entlang der Reling dicht an dicht. Einige weinten, andere winkten mit weißen Taschentüchern, obwohl sie die Liebsten, die sie im Hafen von Dublin zurückgelassen hatten, längst nicht mehr sehen konnten.

Kaylee fühlte sich leer. Wie ein Blatt Papier, von dem alle Worte getilgt waren. Hier und da schimmerten noch einige Linien auf, wo das Schicksal den Stift mit Druck geführt hatte. Diese Leere machte sie benommen, sie war wie betäubt.

In der Ferne schmolzen die einzelnen Häuser zu einer hellen Linie zusammen. Dahinter erhoben sich sanfte grüne Hügel. Ob sie Irland je wiedersehen würde?

Die Mündung des Liffey erweiterte sich. Schmutzig braun von den Regenfällen der letzten Tage, die den Unrat aus den Straßen Dublins gespült hatten, ergoss sich der Fluss in das schäumende Meer. Auf der rechten Seite zog sich eine lange Mole dahin, an deren Ende ein Leuchtturm stand.

Kaylee hatte Poolbeg Lighthouse bislang nur vom Ufer aus gesehen. So nah wie jetzt war sie dem Leuchtturm noch nie gekommen. Seine konisch zulaufenden Wände waren ochsenblutrot. Vier Etagen kleiner Fenster gab es, die in alle Himmelsrichtungen gingen. Obenauf, in einem rundum verglasten Raum, war ein Feuer zu erkennen. Ein Mann stand oben auf dem Balkon des Leuchtturms und winkte dem Schiff, während er eine Pfeife rauchte.

Kaylee hörte plötzlich ihre Mutter Erin weinen. Bis zu diesem Moment hatte sie keinen Laut von sich gegeben. Ohne hinzusehen, griff sie nach ihrer Hand. Sie fühlte sich fremd an, und das lag nicht am Spitzenstoff ihrer Handschuhe. Erin Heagan hatte sich verändert. Kaylee hatte sie immer als weiche, üppige Frau in Erinnerung, manchmal ein wenig schwerfällig, aber nie träge. Die Frau, die jetzt neben ihr stand, war eine andere. Sie war dünn und nervös, um die Augen war die Haut vom vielen Weinen gerötet und angeschwollen.

"Weine nicht, Mama", sagte sie und beugte sich nah zu ihr, damit der Wind ihre Worte nicht ungehört davontrug.

"Ich weine doch gar nicht, es ist nur der Rauch von diesem Schornstein", sagte sie mit belegter Stimme und verzog den Mund zu einem gezwungenen Lächeln.

Kaylee wusste, dass ihre Mutter nicht die Wahrheit sagte, aber sie drang nicht weiter in sie. Was Erin Heagan hinter sich hatte, war Rechtfertigung genug für einen Ozean aus Tränen.

Sie legte ihr einen Arm um die Hüfte. "Jetzt musst du ihn nie wiedersehen, Mama."

Sie nickte nur. "Aber ich sehe auch Irland nie wieder. Ob es das wert ist? Ich habe nicht gewusst, wie sehr ich dieses Land liebe, bis wir Abschied nehmen mussten."

"Aber wir haben einander und die grüne Insel im Herzen. Wo wir hinfahren, soll es gar nicht so anders aussehen, das hast du doch auch gelesen."

Ihre Mutter sah sie mit glänzenden Augen an und strich ihr in einer liebevollen Geste einige Haare zurück, die sich aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst hatten.

Kaylee hatte die Haarfarbe ihres Vaters geerbt. Ihre Haare waren kastanienbraun und lockig. Von der Mutter stammte der rötliche Schimmer. Erin war in den vergangenen Monaten ergraut, und Kaylee wunderte sich noch immer, wie das Haar schneller die Farbe verlieren konnte als zu wachsen. Vielleicht würde die Farbe in ihrem n

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